Ich bin nun gerade von einer, ich werde es mal vorsichtig Geschäftsreise nennen, zurück gekommen, auf der ich mal erneut Zeuge wunderbarer chinesischer Reiseplanung und Effizienz werden durfte. Man kann wohl, ohne als Lügner beschimpft zu werden, behauten, es handelt sich hierbei um ein Meisterstück.
Los ging das Ganze am Freitag im Büro. Ein neues Projekt steht an. Ein Stadion für 35.000 Menschen, weitere Sporteinrichtungen und dazu 40.000 m2 Gewerbeflächen. Abgabe des Konzepts ist in 3 Wochen. Für die Nicht-Architekten unter uns: In Deutschland würde man für so eine Aufgabe etwa 3 Monate Zeit bekommen.
Wir wollen uns vor der Bearbeitung das Grundstück ansehen und haben beschlossen mit unserem chinesischen Partner dorthin zu fliegen. Es wird entschieden, am Montagabend um 18:00 Uhr zu starten.
Am Sonntagnachmittag, 14:00 Uhr bekomme ich dann einen Anruf, dass wir in zwei Stunden zum Flughafen fahren um uns bereits am Montag mit dem Verantwortlichen für das Projekt vor Ort treffen zu können. Na super! Nur gut, dass ich nicht gerade auf einem Berg klettern war, so wie unser chinesischer Begleiter. Aber wenigstens spart es uns einen Tag und wir können mit der Bearbeitung eher anfangen. Auf dem Weg zum Flughafen bekomme ich dann den ganzen Plan zu hören: Wir fliegen erst in eine andere Stadt, übernachten da und fahren von dort aus drei Stunden mit dem Bus zu unserem eigentlichen Ziel. Nachmittags sollen wir dann den Beamten treffen, uns alles ansehen und am Abend zurückfliegen. Das hört sich bereits beim erzählen schon so an, als sei es zum Scheitern verurteilt. Im Laufe des Tages finden wir dann noch heraus, dass es statt der angenommen drei Stunden nun fünf Stunden Busfahrt sein werden.
Nach einer Nacht im Hotel fahren wir dann also am Montagmorgen mit dem Bus weiter zum Zielort. Unterwegs halten wir zweimal an. Zuerst gibt es eine Pinkelpause und dann noch einen Stopp in einer Raststätte, wo wir etwas zu uns nehmen, was ich nicht als Mittagessen bezeichnen möchte, denn das wäre eine Beleidigung für alles andere, was aufrichtige Köche in ihren Woks zubereiten.
Nach dann doch nur 4,5 Stunden Busfahrt kommen wir an. Es ist 14:00 Uhr. Um 15:00 haben wir das Treffen. Im Büro angekommen erfahren wir dann, dass die Person die wir treffen wollen nicht da ist und erst gegen 16:30 Uhr von einem Ausflug zurück ist. Also warten wir im Hotel. Und warten, und warten. Schließlich ist es fast 18:00 Uhr und ich bekomme die Bestätigung von dem, was mir schon lange klar ist: Wir treffen uns erst am Dienstagmorgen mit dem Verantwortlichen. Ich bin glücklich!
Aber ich will mich nicht weiter beschweren, ich habe auch schon Dreitagesreisen für ein gemeinsames Mittagessen absolviert.




2 Kommentare bisher ↓
1 Sari // Jan 9, 2008 at 16:33
herrje, das is ja mal ne wunderbare planung.
2 hape // Jan 9, 2008 at 21:14
und ich habne mich schon gewundert wo du steckst
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