Stadtchinesen – Der China-Blog

Es lebt sich einfach anders in China

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Ich sitze nun mal wieder bei Xing Ba Ke (Starbucks) schlürfe meine, mittlerweile leider nur noch lauwarme, heiße Schokolade und muss feststellen, dass, trotz des Schneechaos in 17 chinesischen Provinzen (was etwa halb Europa entspricht), die Leute es geschafft haben, die Stadt zu verlassen um ihr Familien zu besuchen. Shenzhen hat etwa 14 Millionen Einwohner, von denen in den letzten 25 Jahren 13,965 Millionen zugezogen sind. Vor 25 Jahren war Shenzhen ein Dorf an der Grenze zu Hongkong. Jetzt ist es eine, für chinesische Verhältnisse, reiche Metropole die im Westen fast niemand kennt.
Aufgrund der vielen Zugezogenen die hier ihr Glück suchen, ist es über das Chinesische Neujahr sehr leer hier, da ja alle zu ihren Familien nach Hause fahren. Starbucks, sonst gerappelt voll, wirkt eher verlassen und dieses wohlige Gefühl der Wärme, das mich besonders in diesen kalten und nassen Tagen hierher treibt, will sich aufgrund der Leere nicht so richtig einstellen. Andererseits ist es dafür in der Stadt viel ruhiger und man kann sich ungestört aber vor allem unbeobachtet, seinen Dingen widmen.
Chinesen sind, ich beschreibe sie mal als sehr interessierte, Menschen. Wenn man auf der Straße in einer kleinen Gruppe zusammen steht und es hat einen vielleicht etwas offiziellen Anschein, weil man vielleicht auf ein Zeichnung schaut oder mit dem Finger auf irgend etwas in der Umgebung deutet, stehen plötzlich Chinesen um einen herum und hören interessiert zu, was die Runde wohl zu diskutieren hat. Verkehrsunfälle oder öffentliche Streitereien eines Ehepaares sind ein Fest für Chinesen.
Natürlich gibt es auch bei uns Schaulustige, aber in China reden wir von ganz anderen Dimensionen. Leider ist es aber auch so, das bei einem Verkehrsunfall oder einer körperlichen Auseinandersetzung die Hilfsbereitschaft nicht sehr hoch ist und das viele einfach nur stehen bleiben und zuschauen. Aber es reicht auch aus jemanden auf den Bürgersteig zu stellen und ein Loch graben zu lassen. Innerhalb kürzester Zeit werden mehrere Chinesen stehen bleiben und gucken, was da wohl noch so alles passieren mag. Selbst wenn ein Bauarbeiter den Straßenbelag mit einem Presslufthammer auseinander nimmt, was wirklich nicht so super spannend ist, wird er nicht lange alleine bleiben. Das er dabei einen höllischen Lärm macht, den man fast nicht ertragen kann, scheint nicht zu interessieren. Die Neugier siegt!

Tags: Auf der Strasse · China

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